Jemand übergibt einen Betrieb. Aber niemand übergibt eine Sinnquelle, einen Lebensinhalt. Das ist das eigentliche Problem bei Betriebsübergaben.

Wenn je das alte Menschenbild – das Bild des homo oeconomicus – brüchig zu werden droht, dann ist es spätestens beim Zeitpunkt einer Betriebsübergabe.

Betriebsübergeber(innen) stehen vor der Herausforderung, sich organisatorisch und operativ Schritt für Schritt von ihrem Lebenswerk zu trennen. Das bedeutet: Nicht nur äußerlich, sondern vor allem innerlich müssen sie diese Schritte tun. Ein Teil ihrer Sinnquelle fällt weg.

Dadurch ist die Gefahr gegeben, dass die Übergabe nur „teilweise“ geschieht. Der Übergeber bleibt als „graue Eminenz“ im Hintergrund, der Übernehmer kann sich nicht genügend entfalten, die Mitarbeiter(innen) nehmen den neuen Chef zu wenig ernst, weil sowieso der Senior entscheidet.

Betriebsübernehmer(innen) stehen nicht nur vor organisatorischen, betriebswirtschaftlichen und steuerrechtlichen Anforderungen, sondern sehen sich vor allem von einer Frage herausgefordert:

Wozu – nicht warum – mache ich das?

Es stehen somit Betriebsübergeber(in) und Betriebsübernehmer(in) vor einer Neuorientierung.