Viktor Frankl – Motivation durch Sinn
Viktor Frankl (1905 – 1997), Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, gehört zu den großen Denkern des letzten Jahrhunderts. Ausgehend von der Psychoanalyse Sigmund Freuds und der Individualpsychologie Alfred Adlers entwickelte der Psychiater und Neurologe in den frühen Dreißigerjahren einen eigenständigen Entwurf von den Dimensionen des Lebens, bei dem die Sinnorientierung menschlichen Daseins, die Willensfreiheit und die Übernahme von Verantwortung einen zentralen Stellenwert einnehmen. Er legte somit das Fundament für ein epochales Motivationskonzept, das vor allem dem modernen Human Resource Management neue Perspektiven eröffnet.
Wie jedoch eine Befragung unter den Vorständen der 500 größten österreichischen Unternehmen zeigte, hat die Sinnfrage rein theoretisch eine hohe Bedeutung (83 % Zustimmung), doch nur 3 Prozent wenden diese in der Führungsarbeit auch tatsächlich an.
Sinnkrise im Management
Studien zeigen: Sinn ist nicht nur der stärkste Motivator, Sinn hat vor allem auch psychosozialen und gesundheitsfördernden Charakter. Unser gegenwärtiger Entwurf des Wirtschaftens fordert seinen Preis: Fehlzeiten und Krankheiten kosten die Europäische Union mindestens 20 Mrd. EUR.: 50 bis 60 % der Fehlzeiten werden mit Stress am Arbeitsplatz in Verbindung gebracht. Stress wirkt sich negativ auf die Motivation aus. Kein Wunder also, dass fast jede zweite Führungsperson von einem existenziellen Sinnvakuum bedroht ist, das Frankl auch als kollektive Neurose bezeichnet.
Kollektive Neurosen sind zwar nicht Krankheiten oder Störungen im klinischen Sinn, doch die Betroffenen sind vom negativen Zeitgeist so stark beeinflusst, dass sich krankmachende Symptome erkennen lassen, die belegbar das existenzielle Dasein (meine Arbeit und ich), das Wozu im Arbeitsleben (was ist mein Auftrag, meine Mission?) sowie die Rollenidentität am Arbeitsplatz beeinflussen. Sie führen dazu, dass die Sinnfrage und das Werteempfinden am Arbeitsplatz nachhaltig gestört werden. Dies geschieht durch eine unkritische Übernahme von Denkweisen, Haltungen und Einstellungen, die von der Pathologie des Zeitgeistes stark geprägt werden. Die Folge: Bei einem Viertel des Managements ist die Sinnkrise so stark, dass die Arbeitsqualität nachweislich darunter leidet. Aber es geht noch weiter: Die innere Stressdynamik ist fast bei jeder zweiten Führungsperson so massiv vorhanden, dass deren Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, eingeschränkt ist. Dementsprechend sind die Flucht in die Arbeit bzw. das hohe Tempo in der Wirtschaft nichts anderes als der Ausdruck des Gefühls einer existenziellen Frustration. Das heißt für die Praxis:
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Je stärker negativer Zeitgeist (kollektive Neurosen) und Stressdynamiken vorhanden sind, desto geringer ist die Motivation, desto geringer ist das Sinnerleben in der Arbeit. |
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Die kollektiven Neurosen verringern die Motivation um 21 %. Der Stress Marke „Eigenbau“ reduziert sie um 18 %. |
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Durch Demotivation, kollektive Neurosen und individuelle Stressdynamiken wird die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, um bis zu 30 % herabgesetzt. |
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